Mysore Style

Mysore Style bedeutet:
Jeder übt in seinem eigenen Rhythmus und gemäß seinen individuellen Fähigkeiten. Am Anfang dauert die Praxis circa dreißig, vierzig Minuten. Mit der Zeit nehmen Kraft und Konzentration zu und die Praxis wird allmählich länger. In einer Mysore Style Klasse üben Anfänger und Fortgeschrittene zusammen. Wenn man es noch nicht selbst erlebt hat, mag es  schwer sein, sich das vorzustellen.

Denn woher weiß ich, was ich machen muss?
Und wenn ich alles falsch mache?

Keine Sorge. Du wirst wissen, was zu tun ist. Denn es gibt ja den Lehrer. Ein Mysore Style-Lehrer nimmt aktiv am Unterricht teil und hilft jedem Schüler auf induviduelle Art und Weise — sei es beim Erinnern der korrekten Reihenfolge, sei es mit hands-on Adjustments oder verbalen Anweisungen, sei es, indem er dich mit dir selbst und in deinem Fluss lässt.
Jede Interaktion, wie subtil sie auch sein mag, ist immer eine one-on-one Situation. Mysore Style, die traditionelle Übungs- und Unterrichtsform im Ashtanga Yoga, ermöglicht, dass jeder Schüler immer genau das an Aufmerksamkeit und Hilfestellung bekommt, was er oder sie gerade braucht.

Einem Dirigenten gleich, ist es die Kunst eines guten Mysore Style-Lehrers, das Orchester zusammenzuhalten und die Solos harmonisch aufeinander abzustimmen.

Beim Tanzen nennt man es Choreographie, im Ashtanga Yoga spricht man von „Serie“. Die Idee dahinter ist die gleiche. Jedes Asana ist intrinsisch mit dem darauffolgenden verbunden. Das eine ist Vorbereitung fürs nächste, und eine Gruppe an intelligent miteinander verbundenen und aufeinander aufbauenden Asanas bildet eine Serie. Diese wiederum bauen ebenfalls aufeinander auf. Man fängt mit der ersten Serie an und arbeitet sich vielleicht oder vielleicht auch nicht zu den Fortgeschrittenen Serien hindurch.

Eine Choreographie lebt davon, dass man ihre Abfolge lernt und ihre Einzelteile harmonisch aneinander reiht. Gleiches gilt fürs Ashtanga. Schitt für Schritt gibt der Lehrer dem Schüler neue Elemente. Und erst, wenn ein Asana in sich verstanden und verdaut ist, macht es Sinn, nach dem nächsten Stück vom Kuchen zu schielen. Denn die Idee hinterm Ashtanga System ist nicht, den Kuchen so schnell wie möglich zu verschlingen, sondern ihn Stück für Stück zu genießen und jeden Bissen in ein Festmahl zu verwandeln.

Ashtanga Yoga ist darauf ausgelegt, eine tägliche Praxis zu sein. Hat man von den Vorzügen, die das bietet noch nicht gekostet, mag das vorerst befremdlich klingen. Tägliche Praxis bedeutet, dass man sechs mal in der Woche übt und einen Tag ruht (meist ist es der Samstag). Traditionell gelten Neu- und Vollmond ebenfalls als Ruhetage und für Frauen ist es ratsam, in den ersten drei Tagen ihres Zyklus nicht zu üben.

Um eine gründliche und vor allem dauerhafte Ashtanga Praxis zu etablieren, ist es sinnvoll, am Anfang „nur“ zwei, drei Mal die Woche zu üben und die Praxis langsam und harmonisch ins Leben zu integrieren. Diejenigen, die neugierig und hungrig nach mehr sind, bauen sich so eine solide Basis auf, von der aus man tiefer gehen kann. Von der aus alle Wege offen sind.

Es bringt nichts, die Dinge zu forcieren oder unnötig voranzutreiben. Ein Leben und eine Persönlichkeit lassen sich nicht innerhalb von ein paar Monaten komplett ändern.
Aber es bringt etwas, diszipliniert und verlässlich bei einer Sache zu bleiben.